Soul: Wie Pixar das erwachsene Herz mit der kindlichen Seele vereint

Disney+ ist das Fenster zur Seele von Pixar. An Weihnachten beschenkt uns das renommierte Animationsstudio mit Soul. Der Mäusekonzern überspringt die Kinoleinwand und bringt den 23. Pixar-Film direkt auf den hauseigenen Streamingdienst. Am 25. Dezember 2020 landet Soul auf Disney+ und Protagonist Joe Gardner im Jenseits.

Wir haben mit den Machern von Soul über das Leben nach dem Tod philosophiert. In unserem Interview sprechen Regisseur Pete Docter, Drehbuchautor Kemp Powers und Produzentin Dana Murray über Pixars Paradedisziplin, sowohl Kinder als auch Erwachsene emotional zu berühren. Das große Geheimnis hinter dem Erfolg des Animationsstudios? Empathie.

Das erwachsene Herz

Pete Docter weiß, wie man auf die Tränendrüse drückt. Der Regisseur von Soul hat mit Oben und Alles steht Kopf bereits an unseren Emotionen herumgedoktert und gehört zum Urgestein des Animationsstudios. Seit 30 Jahren erweckt er animierte Charaktere zum Leben. Was mit altmodischen Spielzeugen und gruseligen Monstern begann, mündet nun in der Seele selbst, die sich auf den Weg in das Jenseits macht. Docter betont, dass er bei Pixar nie auslernt. Während der Regisseur die metaphysische Reise des Jazzmusikers Joe Gardner inszenierte, konnte er seinen eigenen Horizont erweitern:

“Als Animator liebe ich die Möglichkeit, unterschiedliche soziale Schichten zu bewohnen. Ich kann zu einem Spielzeug, einem Käfer, einer Emotion oder einem alten Mann werden. Als ich zum Beispiel an Oben gearbeitet habe, wurden mir die Probleme und Schwierigkeiten von alten Menschen bewusst. Dieser Film war ein totaler Weckruf für mich im Hinblick auf afroamerikanische Kultur – Dinge, über die ich vorher keine Kenntnisse hatte. Filme sind also diese großartigen Geschenke für uns, um wirklich in die Haut von anderen zu schlüpfen.”

Soul: Wie Pixar das erwachsene Herz mit der kindlichen Seele vereint
Bildquelle: Disney/Pixar

Die kindliche Seele

Pixars Paradedisziplin ist der Spagat zwischen zwei Zielgruppen. Die meisten Filme des renommierten Animationsstudios werden in den höchsten Tönen gelobt, da sie sowohl Kinder als auch Erwachsene emotional berühren und anspruchsvolle Motive thematisieren. In Alles steht Kopf tauchte Pete Docter bereits in die komplexe Psyche von Protagonistin Riley ein und mit Soul geht der Regisseur noch einen Schritt weiter, indem er den Sinn des Lebens und das Leben nach dem Tod behandelt. Im Interview verrät Docter, dass er das jüngere Publikum nicht unterschätzt. Der Regisseur sorgt sich eher um einschränkende Erwachsene:

“Kinder scheinen fast alles zu verstehen – zumindest, wenn man es abbildet. Wenn man zu viele Wörter benutzt, dann kann man die Leute manchmal verlieren, aber wenn man es visuell darstellt, dann verstehen sie es. Ich frage mich fast schon, ob nicht ihre Eltern unsere größere Einschränkung sind. Manchmal haben Eltern diesen Gedanken, dass man über etwas nicht reden sollte oder Kinder dies oder jenes nicht verstehen. Es gibt da dieses tolle Zitat von Chuck Jones, dem großartigen Cartoon-Regisseur von Bugs Bunny und Co, der mal sagte: ‘Wir bemühen uns darum, unsere Filme intelligent genug für Kinder, aber auch dumm genug für Erwachsene zu machen’.”

 
Bildquelle: Disney/Pixar

Empathie verbindet

Mitgefühl vereint die beiden Zielgruppen. Die einfühlsame Reaktion auf Pixars Animationsfilme zieht sich durch alle Generationen. Im Kontext der Empathie schlägt Drehbuchautor Kemp Powers die Brücke zur Firmenphilosophie des Studios.

Wenn wir unser eigenes Leben besinnlich betrachten, fördern wir Empathie. Die Sache ist nämlich die: Wenn wir uns selbst besser verstehen, dann ist es auch möglich, mehr Mitgefühl für andere zu empfinden. Das ist unser Grundgedanke, wenn wir versuchen, diese Arten von Geschichten zu erzählen – im Gegensatz zu ‘Wie verkaufen wir Spielzeuge?’.

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Bildquelle: Disney/Pixar

Die Antwort auf die Frage

Soul inszeniert das Leben nach dem Tod. Pixar dringt dabei in einen Bereich vor, den nie ein Mensch zuvor gesehen hat – zumindest konnte bisher keine Seele zurückkehren, um vom Jenseits zu berichten. Die Produzentin Dana Murray stellt klar, dass der Animationsfilm keine eigene Antwort auf die existenzielle Frage nach dem Sinn des Lebens formuliert. Soul soll lediglich zum Nachdenken anregen:

Wir versuchen nicht, diese Frage für andere Menschen zu beantworten. Wir versuchen bloß, an der Oberfläche zu kratzen, damit die Leute das Thema diskutieren und es nach dem Film hoffentlich selbst beurteilen. Das ist unser Ziel.”

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Bildquelle: Disney/Pixar

Die wichtigsten Infos zu Soul

Soul erscheint am 25. Dezember 2020 auf dem Streamingdienst Disney+. In dem brandneuen Animationsfilm von Pixar stürzt der Jazzmusiker Joe Gardner (Jamie Foxx) plötzlich in seinen Tod. Im Jenseits sucht die verunglückte Seele des New Yorkers nach seinem Körper, um das Leben nach dem Tod zu verlassen.

 
Bildquelle: Disney/Pixar

Über den Autor: Adil Kaan Kanal ist freier Redakteur bei IGN Deutschland. Ihr könnt ihm auf Twitter folgen.


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